Wasserrückhaltung in der Niederung des Lehstsees abgeschlossen

Bild: Entwässertes Moorgrünland, vor Beginn der Wiedervernässung


1999 begann der Förderverein im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes, die meliorative Entwässerung in der Lehst-Niederung rückgängig zu machen. Damals wurden die ersten Schritte zur Wasserstandsanhebung im östlich des Sees gelegenen Quellmoor getan. Im Jahr 2006 lag dann die Erlaubnis der Oberen Wasserbehörde vor, die Wiedervernässung des Quellmoores abzuschließen und auch den Wasserspiegel des Lehstsees selbst anzuheben. Um deutschen Wasserbaunormen zu genügen, musste hierfür neben dem Ablauf des Sees ein Umfluter gegraben werden, wo eine Sohlrampe mit vorgegebenen Neigungswinkeln, Korngrößen des Kieses und einem speziell ausgeformten, für ein tausendjähriges Hochwasser berechneten Tosbecken definierte Abflußbedingungen erzeugt. Das sieht nicht sonderlich natürlich aus und ist auch teurer als eine naturnahe Variante, war aber genehmigungsfähig.

Bild: Umgehungsgerinne als neuer Abfluß mit angehobener Stauhöhe


Und der Effekt ist immerhin wie erwünscht eingetreten: die dauerhafte Erhöhung des Seespiegels um 30 cm. Damit vergrößert sich das Seevolumen als Wasserspeicher um etwa 20.000 m³ (das entspricht einer Vergrößerung um ca. 35%). Der See, der der Stadt Lychen gehört und an die Uckermark Fisch GmbH verpachtet ist, wird damit etwas größer und die maximale Tiefe erhöht sich von 1,6 auf 1,9m.
Seitens der Stadt Lychen wurde das Vorhaben unterstützt – sicherlich nicht nur wegen der Wertsteigerung des stadteigenen Flurstückes, sondern auch wegen der verbesserten Wasserrückhaltung in einer Region Deutschlands, deren Wasserhaushalt durch die Klimaänderung am stärksten betroffen sein wird.

Bild: Überrieselungsregime in nährstoffarmem Bereich

Die in mehreren Schritten durchgeführte Umwandlung der Lehstsee-Niederung östlich Lychen von einem artenarmen Queckengrasland in einen torfbildenden Quellmoorkomplex ist inzwischen zu einem international bekannten Referenzobjekt der Revitalisierung stark degradierter Moore geworden. Hier ist es gelungen, flächenhaft ein Überrieselungs- und Durchströmungsregime wiederherzustellen, was zu flächenhafter Ansiedlung von Rispenseggen (Carex paniculata), lokal aber auch Braunmoosen, Armleuchtergewächsen, Sumpfdreizack (Triglochin palustre) und verschiedenen Kleinseggen (Carex lepidocarpa, C. rostrata, C. panicea) geführt hat.

Bild: Gliederbinsen-Pionierflur nach Abschieben der obersten, degradierten Torfschicht


Technisch wurde mit den Maßnahmen zur Wiedervernässung des Quellmoores neue Wege beschritten, was das Interesse mehrerer Forschungseinrichtungen weckte. Es begann mit einer Praktikumsarbeit der Universität Greifswald im Jahre 2003. Eine Diplomarbeit an der Fachhochschule Eberswalde, die den Zwischenstand zwischen 1999 und 2006 dokumentiert, wurde 2005 durchgeführt. Jetzt forscht das Leibniz-Institut für Gewässerökologie in Berlin über stoffliche Änderungen in verschiedenen Torfschichten. Die Untersuchungen bieten das Material für eine Doktorarbeit und eine weitere Diplomarbeit. Ab dem Sommer will sich die Christian-Albrechts-Universität Kiel dem Moor widmen. Auch in dem demnächst erscheinenden Buch über Moor-Restauration weltweit werden die Maßnahmen in der uckermärkischen Lehstsee-Niederung zu finden sein. Dass die Fachgruppe Botanik des NABU-Regionalverbandes Templin Dauerbeobachtungsflächen unterhält und die Naturwacht in Lychen seit 1998 regelmäßig die Pegelstände kontrolliert, versteht sich dann fast von selbst.


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