Das Naturschutzgroßprojekt „Uckermärkische Seen

“Im Rahmen des Förderprogrammes der Bundesrepublik Deutschland mit dem Titel
„Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ -
Bundesamt für Naturschutz
Projektleitung: Dr. Rüdiger Mauersberger

Von den etwa 50 seit den 70er Jahren bis heute vom Bund in ganz Deutschland geförderten Vorhaben handelt es sich um das flächenmäßig Größte. Während der Laufzeit von 11 Jahren sollen naturschutzwürdige Gebiete einerseits, aber auch Flächen, die durch die Nutzung Einfluss auf besonders wertvolle Bereiche nehmen, durch Ankauf erworben werden. Wo bezüglich des Naturschutzwertes das Potential einer Fläche noch nicht ausgeschöpft ist, sollen sogenannte biotoplenkende oder biotopersteinrichtende Maßnahmen den Zustand verbessern. Beides, also Flächenerwerb und Maßnahmen, haben ihre fachliche Grundlage in einem zu Beginn der Projektlaufzeit erstellten Pflege- und Entwicklungsplan. All dies findet in den zuvor festgelegten 7 Kerngebieten statt (s. Flächenkulisse). Träger ist der Förderverein Feldberg-Uckermärkische Seenlandschaft e.V.

Insgesamt 18 Millionen Euro wurden hierfür im Zeitraum von 1996 bis Ende 2007 vom Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg an den Verein ausgereicht. Davon stammen 3,4 Mio € aus dem Landeshaushalt, 13,5 Mio € waren Bundesmittel. Der erforderliche Eigenanteil in Höhe von 1,1 Mio € wurde von der Umweltstiftung WWF Deutschland, dem Landkreis Uckermark, der Nordrhein-Westfalen-Stiftung, dem NABU Leverkusen und der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg gesponsert. Die Projektdurchführung obliegt den Mitarbeitern des Projektbüros in Templin, Steuerung und Kontrolle übernimmt der Vereinsvorstand, in dem auch der WWF als Hauptsponsor personell vertreten ist.


Die inhaltlichen Vorgaben des Naturschutzgroßprojektes wurden im Mittelverteilungsschreiben von 1996, seinerzeit unterzeichnet von der Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel, festgeschrieben. Ziel ist es demnach:
- die Wasserqualität von Fließgewässern und Seen zu verbessern,
- die Artenvielfalt in und an Gewässern zu erhalten und zu verbessern,
- den Wasserhaushalt im Projektgebiet zu stabilisieren, um die Sicherung noch intakter Moor- und Bruchwaldstandorte zu gewährleisten,
- das charakteristische glazial geprägte Relief des Projektgebietes zu erhalten, den Lebensraum vieler, vor allem bedrohter und seltener gebietstypischer Pflanzen- und Tierarten sowie deren Populationsstärken zu erhalten und zu optimieren,
- naturnahe Wälder zu erhalten bzw. wiederherzustellen,
- Heide- und Binnendünenstandorte weitgehend offen zu halten,
- Tourismus- und Freizeitaktivitäten durch ein Besucherlenkungskonzept weitgehend in Bereiche außerhalb der Kerngebiete zu verlagern.
Die Kerngebiete erhielten den Status als FFH-Gebiete, einige sind auch eingeschlossen in das EU-Vogelschutzgebiet (SPA) Uckermärkische Seen. Das BMU verlangt, dass bis zum Ende der Projektlaufzeit alle Kerngebiete vollständig als Naturschutzgebiete gesichert werden.

Pflege- und Entwicklungsplan für das Naturschutzgroßprojekt
Im Jahre 1998 begann die Erarbeitung des Pflege- und Entwicklungsplanes für die sieben Kerngebiete unter Federführung des Planungsbüros I.L.N. Greifswald, wobei 1998 und 1999 zunächst die Grundlagendaten erfasst und zusammengetragen wurden. Kernstück und wesentliche Basis für die Planung war eine flächendeckende Kartierung der Vegetationsformen für die 25.500 ha im Maßstab 1:10.000, die mit ca. 4.000 Vegetationsaufnahmen nach Braun-Blanquet für repräsentative Standorte untersetzt wurde. Außerdem wurden auf ausgewählten Probeflächen die Vorkommen von Moosen und Flechten, Vögeln, Amphibien, Fischen, Heuschrecken, totholzbewohnenden Käfern, Laufkäfern, Kurzflüglern, Spinnen, Mollusken und Fließgewässer-Makrozoobenthos näher untersucht.
Parallel wurden ausgewählte abiotische Parameter erhoben, wie z.B. trophische Daten von Seen, Stoffkonzentrationen in Seezuflüssen sowie die Nährkraft der Böden auf den Heideflächen (forstliche Standortkartierung).
Die Erarbeitung des darauf aufbauenden, ca. 6000 Seiten Text und zahlreiche Kartensätze umfassenden Planwerkes dauerte bis 2003. Er wurde danach in der projektbegleitenden Arbeitsgruppe diskutiert, überarbeitet und im Jahr 2005 in der Endversion von Land und Bund genehmigt und in Kraft gesetzt.
Im Plan werden sehr deutlich unterschiedliche Wertigkeiten, Beeinträchtigungen, aber auch Entwicklungspotentiale aller Einzelflächen der Kerngebiete herausgearbeitet. Darauf aufbauend sind ca. 2000 Entwicklungsmaßnahmen abgeleitet worden. 220 davon wurden in Abstimmung mit Projektträger und Zuwendungsgebern als prioritäre biotoplenkende Maßnahmen erkannt, deren Umsetzung für die restliche Projektlaufzeit vorrangig ist (Siehe Maßnahmen).


Flächenerwerb
Der Verkauf von Flurstücken in den sieben Kerngebieten geschah und geschieht (auf freiwilliger Basis der Eigentümer) an den Projektträger seit Ende 1996. Es wurden inzwischen ca. 200 Kaufverträge für ca. 1500 Flurstücke abgeschlossen. Damit sind bereits über 5000 ha für den Naturschutz dauerhaft gesichert worden, darunter Klarwasserseen, Schwingrasenmoore, Heiden, naturnahe Buchenwälder einschließlich der Horststandorte von Seeadler und Kranich, Erlenbruchwälder sowie Agrarflächen mit Habitaten von Rotbauchunke und Laubfrosch.
Die Wirkung des Projektes in den erworbenen Waldflächen ist eher langfristig zu sehen: In den Laubwäldern, die der natürlichen Bestockung entsprechen, finden keine forstlichen Aktivitäten mehr statt; sie sollen in einen langfristigen ungelenkten Zyklus eintreten, wobei die Alters- und Zerfallsphase erheblich größere Flächenanteile einnehmen wird als in bewirtschafteten Wäldern. Hier dürfen Bäume alt werden und eines natürlichen Todes sterben. In Nadelholz- und Mischbeständen soll, von Ausnahmen abgesehen, die in Totalreservate (=Naturentwicklungsgebiete) involviert sind, über einige Jahrzehnte eingegriffen werden. Fichten-, Lärchen- und Douglasienanteile werden gezielt reduziert. Über Maßnahmen zur Förderung der Naturverjüngung und der Laubbaumbeimischungen (Stammzahlreduktion bei Durchforstungen, Kontrolle des verbeißenden Schalenwildes) werden alle Nadelforsten langfristig in Misch- und Laubwälder überführt. Diese Aktivitäten sind nicht Bestandteil der Projektförderung und werden überwiegend nach Ablauf des Projektes vorangetrieben.
Gekaufte Agrarflächen auf mineralischen Standorten werden in verschiedene Stufen extensiverer Nutzungsformen überführt, die von der Einschränkung des Chemie-Einsatzes über Umwandlung in umbruchsfreies Dauergrünland bis zu Schafhutung auf ungedüngten Flächen oder kompletter Nutzungsaufgabe reichen. Welche der Stufen zum Einsatz gelangt, hängt maßgeblich vom Stoffverlagerungsrisiko (Erosions- und Auswaschungsneigung) und der Nähe zu sensiblen Lebensraumtypen (insbesondere Gewässer und Moore) ab. Die Realisierung erfolgt auf privatrechtlichem Wege über die Pachtverträge, die der Förderverein mit den Agrarbetrieben abschließt, sobald die bestehenden ausgelaufen sind. Auf diese Weise sind keine Nutzungsausfälle oder Entschädigungen aus öffentlichen Kassen zu zahlen und aus Sicht der Fördermittelgeber hat sich damit die Investition in den Kaufpreis des Grundstückes innerhalb von 10 bis 30 Jahren amortisiert.
Agrarflächen auf Torfuntergrund (d.h. in der Regel Moor-Grünland) werden düngungs- und umbruchfrei bewirtschaftet, die Grabenunterhaltung wird reduziert oder eingestellt. Sofern die hydrologischen Verhältnisse es zulassen und Fremdflurstücke nicht betroffen werden, werden im Rahmen der Projektförderung Maßnahmen zur Wasserrückhaltung (Siehe Maßnahmen) betrieben, die die weitere Degradierung des Torfes aufhalten und umkehren sollen.


Gekaufte Seeflächen werden dem brandenburgischen Fischereigesetz entsprechend verpachtet, jedoch mit Auflagen, die die Zustandsverbesserung zur Sicherung und Entwicklung der Unterwasservegetation im Sinne der FFH-Lebensraumtypen 3130 bis 3160 vor Augen haben. Dazu gehört der Verzicht auf Besatz und Zufütterung sowie auch auf Beangelung in ornithologisch bedeutungsvollen Gewässern. Mehrere Kleinseen fallen gänzlich aus der fischereilichen Bewirtschaftung: Sofern sie nicht in Totalreservaten liegen, werden nur noch in Abständen Kontrolluntersuchungen durchgeführt, die dem Monitoring dienen, aber auch Aufschluss über illegale Besatzaktivitäten geben, denen dann ggf. gezielt entgegnet wird. Wo aus vorherigen Nutzungen gebliebene Überformungen der Fischbestände vorlagen, wurde einmalig biotoplenkend eingegriffen (Siehe Maßnahmen).