Maßnahmen

Neben dem Flächenerwerb und der nachfolgenden, langfristigen Nutzungssteuerung hat das Projekt insbesondere die Aufgabe, durch biotopersteinrichtende Maßnahmen die Entwicklungsrichtung zahlreicher Flächen zu lenken. Sowohl die Ziele als auch die Art der Maßnahmen wurden in dem Pflege- und Entwicklungsplan für alle Kerngebiete, also für 25.000 ha, flurstücksscharf erarbeitet (I.L.N. Greifswald 2005).

Rund 200 Maßnahmen sind im Plan als prioritär für die Biotopersteinrichtung vorgesehen; hier liegt das Hauptarbeitsfeld des Projektträgers bis Ende 2007. Die Palette umfasst im Wesentlichen Maßnahmen zur:


- Beseitigung künstlicher Entwässerung (Wiederanhebung von Wasserständen in Seen, Kleingewässern, Mooren und Grundwasser, Wiederherstellung abflussloser Senken) zur Minderung oberirdischer Abflüsse

- Wiederherstellung des Fließgewässerkontinuums (Fließgewässer)

- Erhaltung und Förderung der hochgradig gefährdeten Vegetation basenreicher Zwischenmoore (Moore)

- Offenhaltung von Heiden und Flugsandfeldern (Heiden)

- Beseitigung nutzungsbedingter Schieflagen in der Arten- und Altersstruktur der Fischbestände in Seen (Entnahme von Karpfen, ostasiatischen Pflanzenfressern und Weißfischen, in Ausnahmefällen auch Raubfischbesatz) (Seen)

- Anlage von Gehölzstreifen in der Offenlandschaft zur Erosionsminderung und zur Strukturanreicherung für Tiere.

Dabei nehmen die Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes den größten Raum ein, da hier die größten Defizite im Sinne der Projektziele vorhanden sind und außerdem Sukzession und natürliche Mechanismen kaum oder nur in geologischen Zeiträumen Abhilfe schaffen können.

So werden an den Abflüssen von Standgewässern und Mooren Sohlgleiten errichtet, die Wasserrückhaltung bewirken und leergelaufene Grundwasserspeicher auffüllen helfen sollen. Durchbrochene Wasserscheiden von Binneneinzugsgebieten werden verschlossen. Damit werden oberirdische Abflüsse gemindert, was gleichzeitig die wassergebundenen Stofftransporte (Kalk, Nährstoffe, Humusstoffe) verringert. Wo Moore wieder mit Wasser versorgt worden sind, hört die mikrobielle Torfzerstörung alsbald auf und neuer Torf wird gebildet. Weil damit die CO2-Freisetzung aufhört und CO2-Bindung einsetzt, haben die Maßnahmen Bedeutung für den Klimaschutz. Auch die Steigerung der Verdunstung bewirkt eine Kühlung der Landschaft und erhöht die Niederschläge in der Region.

Bild: Erfolgreiche Moor-Revitalisierung bei Lychen: vom degradierten Moorgrünland zum wachsenden Torfspeicher

Bild: Erfolgreiche Moor-Revitalisierung bei Lychen: vom degradierten Moorgrünland zum wachsenden Torfspeicher


In geneigten Mooren, also Quell- und Durchströmungsmooren, müssen moorinterne Grabensysteme unwirksam gemacht werden, damit das Wasser nicht mehr tief unter Flur, sondern auf der Torfoberfläche rieseln oder durch unzersetzte Torfschichten hindurch in breiter Front sickern kann („perkolatives Wasserregime“). Dazu sind Grabenkammerungen oder -verfüllungen vorzunehmen, wobei es sich als optimal erwiesen hat, hierfür auf den höhergelegenen, besonders trockenen Moorbereichen die degradierten obersten Moorschichten flach abzutragen und in die Gräben zu verlagern: Damit werden einerseits ungeschädigte Torfe freigelegt, die schnell von torfbildender Vegetation besiedelt werden (oft auch unter Beimengung gefährdeter Arten!). Andererseits hat der vererdete Torf gute Baueigenschaften bei der Grabenverfüllung und gewährleistet wegen seiner zerstörten Torfporen eine gute Abdichtung.

Bild: Düstre Laake bei Röddelin (Kerngebiet 6) nach der Wiedervernässung


Für die meisten dieser Maßnahmen müssen wasserrechtliche Genehmigungen bis hin zur Planfeststellung absolviert werden, was lange zeitliche Vorläufe verlangt und hohe Planungskosten für die Erstellung der Antragsunterlagen (incl. Vermessung, Baugrunduntersuchung, hydraulischer Nachweise, FFH-Verträglichkeitsprüfung) verursacht. Einige dieser Vorhaben werden jedoch durch Dammbauten des in mehreren Kerngebieten anwesenden Bibers umgesetzt; hier fallen weder Planungs- noch Baukosten an, lediglich flankierende Flächenankäufe durch das Projekt sind hilfreich, um Betroffenheiten zu reduzieren. Der Nachteil der „bibergestützten Wasserrückhaltungen“ ist, dass sie oft nicht dauerhaft stabil bleiben und sich auch nicht um schonenden Umgang mit geschädigten Torfkörpern (und ihrer verminderten Quell- und Schwimmfähigkeit) und Orchideenwiesen bemühen.

Bis Mitte 2006 wurden im Rahmen des Projektes insgesamt 53 Senkenökosysteme (Seen, Kleingewässer, Moore) bezüglich ihres Wasserhaushaltes begünstigt, wobei der Schwerpunkt im Kerngebiet 3 lag. Weitere 18 Flächen befinden sich in Vorbereitung.